die banditen

AUSBRUCHSVERSUCH MIT MUSIK

nach Jacques Offenbach
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Premiere am 19. Juni 2010, Saal

im Rahmen der Zürcher Festspiele 2010

Regie: Sebastian Baumgarten
Musikalische Leitung: Daniel Regenberg
Bühne: Barbara Steiner
Kostüme: Ellen Hofmann
Video: Stefan Bischoff
Dramaturgie: Janine Ortiz / Carl Hegemann
Mit: Vivien BullertMiguel Abrantes OstrowskiMatthias BreitenbachJörg KoslowskyThomas MüllerLotte Ohm
Sigi TerpoortenSamantha Viana
Chor: Anne Blass-Ziegler, Tobias Bühlmann, Gabriella Colluto, Christine Egli, Benni Goldschmidt, Jasmin Nagy, Stefan Pfister, Lorenz Reinhart, Marcella Ressegatti, Raphael Ritz, Stephanie Ritz, Tiago Saxer, Fabian Schneiter, Claire von Ziegler

 

Eigentlich müsste man den französischen Titel „Les Brigands" dieser Opéra bouffe aus dem Jahre 1869 mit „Die Räuber" ins Deutsche übersetzen. Aber dieser Titel ist für alle Zeiten anderweitig besetzt. Was in Offenbachs „Räubern" passiert, ist gleichwohl durchaus mit Schillers Jugendwerk kompatibel. Der Hauptunterschied zu Schillers „Räubern" besteht darin, dass die Räuber hier in allen Lagen singen. Diese Operetten-Räuber sind sehr kultiviert und nicht wirklich böse, sie verkleiden sich gerne und wechseln ihr Outfit kollektiv und in atemberaubendem Tempo, um ihre Opfer zu täuschen. Auch wenn ihre gross geplanten Verbrechen entweder nichts einbringen oder sich als überflüssig erweisen: Räuber sind einfach nur nette Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen. Die wirklichen Räuber, das ist die nicht sehr überraschende Quintessenz, sind die Mitglieder der Regierung und deren Hintermänner und Speichellecker. Und die Raubzüge dieser Räuber sind legal, sie leben in der Privatwirtschaft und von der Bankenkrise, schon damals.

Diese Operette zielt auf die Legalität des Verbrechens. Der Titel bezieht sich auf die legal Bösen und nicht auf die illegal Guten. Und das verweist schon auf die Sprachverwirrung, auf das ungeheure Durcheinander und die gemeinsame Parole der Guten wie der Bösen: Wo wir sind, klappt nichts, aber wir können nicht überall sein. Nur die gute böse Räubertochter bekommt am Ende den Richtigen ab. Nur wenn das Legale verbrecherisch ist und das Böse gut, ist der Richtige ja wohl der Falsche. Und der Räuberhauptmann wird am Ende Polizeipräsident. Da bleibt nur die Musik, in der sich, je schöner sie ist und je seichter, alle Widersprüche auflösen. Muss Operette so funktionieren?

 

Sebastian Baumgarten, der 2006 zum Opernregisseur des Jahres gewählt wurde, befasst sich in den letzten Jahren vorwiegend mit Arbeiten am Sprechtheater und mit spartenübergreifenden Inszenierungen.