nach Joseph Roth
in einer Fassung von Koen Tachelet
Im Rahmen der Zürcher Festspiele 2010
in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste
Wiederaufnahme im Juni 2010, Theater der Künste, Bühne A, Gessnerallee 9
Mit: Alicia Aumüller, Jonas Gygax, Jörg Koslowsky, Michael Neuenschwander, Karin Pfammatter, Brencis Udris
Regie: Stephan Müller
Bühne: Hyun Chu
Kostüme: Carla Caminati
Musik: Thomas Luz
Dramaturgie: Ralf Fiedler
Regieassistenz: Benjamin Kobi
«Hiob» gilt als Joseph Roths berühmtester Roman und erzählt eine Familiensaga, die kurz vor dem Ersten Weltkrieg im zaristischen Russland beginnt. Als der in Galizien geborene Roth 1930 das Buch schrieb, waren das Schtetl und seine Bewohner ihrer Vernichtung durch die Deutschen schon recht nahe. «Die Hölle regiert. Wir haben alle die Welt überschätzt. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen», notierte er in seinem Pariser Exil. Roths Hiob heisst Mendel Singer und ist ein frommer Lehrer, der trotz Armut an seiner Berufung nicht zweifelt. Einen seiner Söhne verliert er ans Militär, ein anderer desertiert und flieht nach Amerika. Um seine einzige Tochter vor den Kosaken zu retten, folgt Mendel seinem inzwischen erfolgreichen Sohn nach New York. Sein jüngstes Kind Menuchim, das nicht sprechen kann, muss er zurücklassen. Nach ein paar Jahren Neuer Welt steht Mendel ganz allein da, Frau und Kinder sind tot, vermisst oder verrückt geworden. Dann taucht der zurückgelassene Menuchim als begnadeter Musiker in New York auf. Mendel «ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Grösse der Wunder» – ein inselhaftes, irreales Glück inmitten der heraufziehenden Katastrophen.
Roth prägt der moralisch skandalösen Fabel von Hiob, die alle Lebensweisheit zunichte macht, einen ganz eigenen Stempel auf. Der erfolgreiche Regisseur Stephan Müller kehrt mit einer Dramatisierung des Romans an das Theater Neumarkt zurück, das er zusammen mit Volker Hesse von 1993 bis 1999 geleitet hat.