neil young - the way

Ein Konzert 


Premiere am 15. Oktober 2009, Saal 


Regie: Stefan Pucher

Musikalische Leitung: Marcel Blatti

Bühne: Simeon Meier

Kostüme: Gabriela Neubauer

Video: Robert Gerloff

Mitarbeit Video: Meika Dresenkamp

Dramaturgie: Ralf Fiedler


Band: Marcel Blatti, Joy Frempong, Florian Götte, Yvon Jansen

In vier Jahrzehnten hat Neil Young ein beeindruckendes Werk als Songwriter geschaffen und Songs von bestürzender Schönheit komponiert, die teilweise kaum bekannt sind. Es sind wenige Themen, die Youngs Lyrics umkreisen, den Verlust und die Suche nach Liebe und dem „Home“, der Heimat, die eigene Biografie und die Frage, wohin es geht… Und doch klingen die Erfahrungen dahinter immer neu ausgelotet. 

Weltweit und über Generationen hinweg bekannt ist der Kanadier als Sänger akustisch gespielter, mit merkwürdig unsicherer, hoher Stimme gesungener Lieder wie „Heart Of Gold“, „Old man“, „Only Love Can Break Your Heart“… Mädchenmusik sagen manche. In oft aggressiver Abgrenzung hiervon hat Young die Musik, die er spielte, vierzig Jahre lang neu erfunden. Der Vater des Grunge adaptierte und prägte dabei die unterschiedlichsten Stile, von echtem harten Rock’n’Roll und noisy Live-Acts bis hin zu Experimenten mit elektronischer oder serieller Musik. 

Auch Country und Hilly-Billy hat er nicht ausgelassen. In zahllosen Konflikten mit Bands und Plattenfirmen behauptete Young stets seine Unabhängigkeit. Selbst während der glorreichen Phase als Teil der Supergroup Crosby Stills Nash & Young hörte letzterer nicht auf, weiter mit seiner musikalisch wie gruppendynamisch instabilen Hausband Crazy Horse aufzutreten und Platten einzuspielen. Den gerichtlich ausgefochtenen Vorwurf seiner Plattenfirma Geffen Records, seine Musik sei nicht „repräsentativ“ für Neil Young, quittierte dieser mit der Ankündigung, solange immer neue „nicht repräsentative Musik“ zumachen, bis genau das als repräsentativ für ihn anerkannt werde. 

Mit „Neil Young – The Way“ widmet Stefan Pucher seinem Lieblingsmusiker einen Theaterabend, der vor allem ein Konzert ist – dessen Dramaturgie in der Anordnung der Songs und den auf der Bühne geschaffenen Kontexten besteht. Die Verschiedenartigkeit der Musiken aus vier Jahrzehnten wird nicht eingeebnet sondern herausgeschält. Die unterschiedlichen Formen musikalischer Aneignung, die Marcel Blatti, seine Band und die Schauspielerin Yvon Jansen geleistet haben, reichen von nachgespielten Songs bis zur eigenständigen Coverversion. Auch ohne nähere Bekanntschaft mit Youngs Biografie wird so für den Zuschauer und -hörer ein einzigartiger musikalischer Kosmos abgesteckt, dessen Weite, Unwegsamkeit und Reichtum seinesgleichen sucht. Den Fliehkräften des Materials zum Trotz beginnt die Person hinter dem vielfältigen Werk spürbar zu werden. Denn auch Young konnte zu Recht von seiner Arbeit behaupten, alles sei in Wahrheit „nur ein einziger langer Song“.