Theater Neumarkt und DAS MAGAZIN präsentieren:


Salongespräche

Moderation: Daniel Binswanger

Das Theater Neumarkt lädt alle sechs Wochen zu einem Salongespräch über kontroverse, gesellschaftspolitische Themen ein. Der Journalist Daniel Binswanger verwickelt profilierte Zeitgenossen in Debatten jenseits der medialen Trampelpfade. Es sollen kompetente, überraschende Stimmen zu Wort kommen. Es soll ein Forum für gehaltvolle Beiträge entstehen. Und es soll die Kunst der Polemik gepflegt werden.


Vergangene Salongespräche:

 

13. Juni, 20 Uhr, Saal:

Was ist heute links?

Gäste: 
Andrea Sprecher, Co-Präsidentin SP Stadt Zürich
Dr. Bernard Degen, Historisches Institut der Universität Basel
Hans-Jürg Fehr, Nationalrat, ehemaliger Parteipräsident SP Schweiz
Res Strehle, Chefredakteur Tages-Anzeiger

Die Finanzkrise hat die Vormachtstellung des Neoliberalismus erschüttert. „Linke" Politikrezepte stehen wieder hoch im Kurs. Trotzdem sind in ganz Europa die Sozialdemokraten in der Defensive. Die SP Schweiz hat jetzt ein neues Parteiprogramm vorgelegt, das ihr einen neuen ideologischen Kompass geben soll. Doch was bedeutet es in der heutigen Zeit - ganz unabhängig von aller Parteipolitik - sich als „links" zu verstehen? 

 

26. Mai, 20 Uhr, Saal: 

Die Vollrisikogesellschaft 

Gast: Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University Friedrichshafen

Die Bankenkrise hat gezeigt, dass wir ein Problem haben, mit Risiken vernünftig umzugehen. Warum geht die Gesellschaft immer höhere Risiken ein, obwohl sie diese doch immer besser abschätzen könnte? Das Krisenbewusstsein ist allgegenwärtig,
aber was besagt die „Krise" eigentlich? Dirk Baecker ist Soziologe und einer der bedeutendsten Vertreter der heutigen
Systemtheorie. Ein Hintergrundgespräch.

 

11. März, 20 Uhr, Saal

Droht der Informations-Overkill?

Gäste: Frank Schirrmacher, Chefredakeur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Philipp Sarasin, Professor für Neuere Allgemeine Geschichte am Historischen Seminar der Universität Zürich.

Die Informationstechnologie hat nicht nur unser Alltags- und Arbeitleben revolutioniert. Ihre ständige Weiterentwicklung führt zu einer tiefgreifenden Veränderung unseres Umganges mit Daten, Wissen und Bildung. Die immer einfachere Zugänglichkeit von Information bietet Chancen, aber ist sie nicht auch ein Fluch? Führt sie nicht zur Zerstörung unserer geistigen Autonomie? Sind die Beschleunigung und das Multi-Tasking nicht eigentlich die Feinde solider Arbeit und Reflexion? Eine kritische Debatte mit Frank Schirrmacher und Philipp Sarasin.

 

 

27. Februar, 20 Uhr, Saal

Die Schweizer und ihre deutschen Nachbarn

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Eva Horn und Prof. Dr. Adolf Muschg

Das Verhältnis der Schweizer zu ihren nördlichen Nachbarn schwankt zwischen Abwehr und Bewunderung. Die Schweiz versteht sich als politischer Sonderfall und als privilegierte ökonomische Insel. Bis hin zum „Tell" verdankt sie aber der deutschen Kulturtradition sehr vieles. Wie schliesst die heutige Kampagne gegen den „deutschen Filz" an die Geschichte des schweizerisch-deutschen Verhältnisses an? Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Adolf Muschg war Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn ist Professorin für neuere deutsche Literatur an der Universität Wien. Davor lehrte sie in Basel.

 

16. Januar 20 Uhr Saal

Was klappt nicht mit der Weltwirtschaft?

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Heiner Flassbeck, Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung

Die Finanzkrise hat offenbart, dass die Weltwirtschaft an bedrohlichen Ungleichgewichten leidet, insbesondere dem Ungleichgewicht zwischen Gläubiger- und Schuldnerländern und dem Ungleichgewicht zwischen Export- und Importnationen. Der keynesianische Volkswirtschaftsexperte Heiner Flassbeck hat schon vor Jahren vor den Gefahren des heutigen Weltwährungssystems und vor den Folgen der Wachstumspolitik gewarnt, welche in Deutschland und in der Schweiz praktiziert wird. Auf welchem Weg könnte die Wirtschaft wieder ins Lot gebracht werden? Ein Hintergrundgespräch.

 

 

5. Dezember 20.30 Saal

«Jeder ist ein Künstler»

Gäste: Jörg Heiser, Co-Chefredaktor des Kunstmagazins frieze; Beat Wyss, Professor für Kunstgeschichte an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe; N.N.

Moderiert von Daniel Binswanger

Jeder ist ein Künstler: Der Satz von Beuys ist ein Dogma der Avantgarde, aber wurde er mit seiner Durchsetzung nicht überholt? Beuys war in einem unmittelbaren Sinne politisch. In wie weit soll dies von der Kunst heute noch gelten? Die Globalisierung hat die zeitgenössische Kunst vielgestaltiger gemacht - und völlig unübersichtlich. Ein Gespräch über die Kunst, die an der Zeit ist.


17. November 20.00 Saal

«Wie muss jetzt das Finanzsystem reguliert werden?»

Gäste: Rudolf Strahm, ehemaliger Preisüberwacher; Hans-Ulrich Doerig,Verwaltungsratspräsident Credit Suisse

Der Systemkollaps wurde gerade noch einmal verhindert, aber die Folgen der Finanzkrise sind gravierend. Auch in der Schweiz wird die Arbeitslosigkeit auf ein neues Rekordniveau steigen. Was muss jetzt geschehen, damit die Krise sich nicht wiederholt? Welche Lehren sind zu ziehen, welche Massnahmen sind zu ergreifen? Ein kontroverses Expertengespräch mit Vertretern der Regulierungsbehörden und der Bankenwelt. 

 

13. September 2009 19.00 Saal
«Wohin geht's mit der Schweiz?» 

Gäste: Bundesrat Moritz Leuenberger, Professor Peter von Matt

Der Kompromiss gehört zu den typisch helvetischen Tugenden und Bundesrat Moritz Leuenberger verteidigt in seinem letzten Buch die Schweizerische Tradition des Ausgleichs. Kompromisskultur ist gut - doch führt sie nicht auch zu "Führungsschwäche?" Peter von Matt entwickelt seinerseits eine Sicht auf die helvetische Art der Weltläufigkeit - und auf das unbeugsame Festhalten an einer autonomen Sonderrolle. Das Regierungsmitglied und der Literaturprofessor diskutieren über das Schweizer Selbstverständnis im 21. Jahrhundert.

 

Rückblick Saison 2008/09

1. Mai 2009 20.00 Saal

«Du musst Dein Leben ändern» 

Gast: Prof. Dr. Peter Sloterdijk

Das neueste Werk von Peter Sloterdijk benennt mit schon fast unheimlicher Präzision den Problemhorizont der heutigen Zeit. Während die Weltwirtschaft in eine epochale Krise taumelt und der frivole Triumphzug der Globalisierung in eine gesellschaftlichen Sinn- und Orientierungskrise umschlägt, geht Sloterdijk der Frage nach, weshalb der Menschheit das Menschsein als sinnvolles Selbstbildungs- und Selbstverbesserungsprojekt abhanden zu kommen scheint. Sloterdijk entwirft eine Kulturgeschichte des «Exerzitiums», d.h. all jener «Anthropotechniken» der Selbststeigerung, mit welchen der homo sapiens sich in ein anspruchsvolleres Erdendasein einzuüben versucht. Im Zentrum der sloterdijkschen Anthropologie steht der Gedanke der «Vertikalspannung», d.h. der Wille des Menschenwesens über sich selber hinauszugelangen und die Horizontalität der Massengesellschaft zu überwinden. Seine Analyse dieses «anthropotechnischen» Übens erstreckt sich auf dichterische Existenzentwürfe nicht weniger als auf religiöse Meditationstechniken, das wagnersche Gesamtkunstwerk oder den Höchstleistungskult des modernen Spitzensportes.

Das Podiumsgespräch zwischen Peter Sloterdijk und dem Journalisten Daniel Binswanger wird am 1. Mai in der Reihe der SALONGESPRÄCHE am Zürcher Theater Neumarkt stattfinden. Das Ereignis bildet zugleich den Auftakt zur SCHULE DES LEBENS, ein Veranstaltungswochenende, welches vom Theater Neumarkt und der Wochenzeitschrift DAS MAGAZIN veranstaltet wird. Es umfasst eine Reihe von Vorträgen und Kursen, in welchen bekannte Kulturschaffende und Intellektuelle teils spielerische und teils ernsthafte Techniken vorstellen, mit welchen ein jeder sich in ein besseres Leben einüben sollte.    

Rückblick:

6. April 2009 20.00 Saal

«Das Comeback des Staates»

Gäste: Prof. Ueli Mäder, Prof. Kurt Imhof

Die Finanzkrise, die Rezession und die Krise des SchweizerischenBankenplatzes haben nicht nur die Grundstrukturen der heutigenWeltwirtschaft in Frage gestellt sondern auch zu einem tiefenpolitischen Wandel geführt. Keynesianische Konjunkturpolitik,Staatsintervention zur Stützung der Kapitalmärkte, Verstaatlichungganzer Wirtschaftszweige – ein etatistischer Interventionismus, der vorkurzem noch völlig undenkbar gewesen wäre, ist plötzlich eine massiveTatsache. Welche Lehren sind aus dem Versagen der Finanzwirtschaft zuziehen? Wird der Staat vor dem Markt wieder seinen Führungsanspruchbehaupten? Kehren wir zur sozialen Marktwirtschaft zurück? Ist derNeoliberalismus nur noch eine Illusion von gestern?Oder ist die Krisebloss ein schwerer Zwischenfall auf dem Weg einer weltumspannendenLiberalisierung, die sich trotz allem nicht aufhalten lassen wird? Diebeiden Soziologie Professoren Ueli Mäder und Kurt Imhof versuchen dieDebatte um die Finanzkrise in einen grösseren sozialen und politischenZusammenhang zu stellen.

14. März 2009 20.00 Saal

«Schwarze Magie oder wirtschaftlicher Segen? Das Wesen moderner Geldwirtschaft»

Gäste: Hans-Christoph Binswanger, emeritierter Professor fürVolkswirtschaft; Jakob Tanner, Professor für Sozial- undWirtschaftsgeschichte 

Die Finanzkrise wächst sich aus zu einer Jahrhundertrezession, derSchweizer Bankenplatz kommt ins Strudeln: Wie sehr wird die moderneZivilisation eigentlich von der Geldwirtschaft geprägt? Und ist mitunserem Geld- und Finanzsystem vielleicht etwas ganz Grundsätzlichesnicht in Ordnung?
Hans-Christoph Binswanger ist emeritierter Professor fürVolkswirtschaft der Hochschule St. Gallen. Er ist der Frage nach demWesen des Geldes und den Strukturzwängen des Kapitalismus nicht nur inökonomischen Grundlagenwerken nachgegangen sondern auch in einergrossen Studie über «Geld und Magie», welche Goethes Faust gewidmet ist.
Jakob Tanner ist Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an derUniversität Zürich. In zahlreichen, kritischen Untersuchungen hat erdie Geschichte des Wirtschafts- und Bankenstandortes Schweiz unter dieLupe genommen.

6. Februar 2009 20.00 Saal

«Nach der Krise die Reform: Was muss an der Weltfinanzordnung geändert werden?»

Gäste: Hans Eichel, Abgeordneter des Deutschen Bundestages undehemaliger Bundesfinanzminister; Rudolf Strahm, ehemaliger Nationalratund ehemaliger Schweizer Preisüberwacher

Die Jahrhundert-Krise des internationalen Finanzsystems macht einegrundlegende Neuordnung der Bankenregulierung zur Notwendigkeit. Auchim Steuerrecht dürfte es zu Veränderungen kommen. Welche Ziele wärenbei einer Reform der Kapitalmärkte eigentlich zu verfolgen? Auf welcheWeise können Effizienz, Stabilität und Fairness versöhnt werden?
Hans Eichel hat sich in der Schweiz einen Namen gemacht alseinflussreicher europäischer Finanzpolitiker und als konsequenterGegner des Bankgeheimnisses. Rudolf Strahm trat schon als Nationalratfür eine bessere Bankenregulierung ein und hat als Preisüberwacher füreffiziente und unverzerrte Märkte gefochten. Im Gespräch mit den beidenSozialdemokraten soll es um eine grundsätzliche Frage gehen: Auf welcheWeltfinanzordnung müssen wir heute hinarbeiten?

11. Dezember 2008 Saal

«68 ist Geschichte: Ein Gespräch über Revolution, Engagement und die politische Zukunft»
Gast: Daniel Cohn-Bendit

Daniel Cohn-Bendit ist eine der wichtigen politischen Persönlichkeiten unserer Zeit. Als «public intellectual», Europaparlamentarier und Leitfigur der Grünen steht er im Fokus der heutigen Debatte. Als Anführer der Pariser 68er Revolte war er das Leitbild einer ganzen Generation. Cohn-Bendit steht zum Aktionismus seiner Jugendjahre, ist jedoch frei von Nostalgie. Ein Gespräch über Sinn und Unsinn des 68er Jubiläums, über die Wandlungen des politischen Engagements und über die Zukunft der Politik in Europa.

9. November 2008 Saal

«Der Schweizer Sonderfall: Mythos und Wirklichkeit»
Gäste: Prof. Dr. Roger Sablonier und Botschafter Dr. Paul Widmer

Ist der helvetische Sonderfall ein ideologisches Konstrukt oder einehistorische Realität? Zur Eröffnung der SALONGESPRÄCHE wird dieseKardinalfrage der schweizerischen Politik kontrovers diskutiert.
Professor Roger Sablonier, emeritierter Ordinarius für mittelalterlicheGeschichte der Universität Zürich, hat eine aufsehenerregende Studieveröffentlicht: «Gründungszeit ohne Eidgenossen». Das historischeGrundlagenwerk, das die mittelalterliche Entstehungszeit derEidgenossenschaft beleuchtet, räumt auf mit den Legenden, die sich umdas Entstehen der «volksdemokratischen» Urschweiz ranken. Auch Dr. PaulWidmer, Schweizer Botschafter beim Strassburger Europarat, hat einenBestseller zur schweizerischen Identitätsdebatte veröffentlicht. Inseinem Werk «Die Schweiz als Sonderfall» beschwört er jedoch dieEinzigartigkeit der helvetischen Demokratie mit historischen undpolitologischen Argumenten.